Herzlich willkommen auf den Seiten des SPP 1173: „Integration und Desintegration der Kulturen im europäischen Mittelalter“

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat im Juli 2005 das Schwerpunktprogramm 1173 "Integration und Desintegration der Kulturen im europäischen Mittelalter" für 6 Jahre eingerichtet. Das Programm umfasste für einen ersten Bewilligungszeitraum (2005-2007) 21 Einzelprojekte, die dezentral an 16 deutschen Universitäten betrieben wurden. Derzeit befindet sich das Programm bereits im zweiten Bewilligungszeitraum (2007-2009) und die Anzahl der Einzelprojekte erhöhte sich auf 23, wobei zwei Projekte ausschieden und vier neue dazu kamen. Zudem sind nun 18 Universitäten beteiligt. Die Koordination des Schwerpunktprogramms liegt bei den Professoren Michael Borgolte (Humboldt-Universität zu Berlin) und Bernd Schneidmüller (Ruprecht-Karls Universität Heidelberg), die auch als Sprecher des SPP fungieren.

Europa schafft sich im 21. Jahrhundert erstmals in seiner Geschichte eine freiwillige politische Einheit. Dabei stellen sich Fragen nach der "Identität" Europas sowie der Bestimmung der Grenzen - Fragen, die dringend diskutiert und im weitgehenden Konsens geklärt werden müssen. Das Schwerpunktprogramm soll europäische Integrationsprozesse und Entzweiungen im Mittelalter erforschen und dadurch die Problematik der Ausgleichsprozesse und Abwehrmechanismen besser versteh- und daher auch beherrschbar machen. Das erste mediävistische Schwerpunktprogramm seit 20 Jahren will jedoch keine europäische Identität aus geschichtlicher Erfahrung begründen, sondern die Vorstellung von der historischen Einheit Europas problematisieren. Leitidee ist die Einsicht, dass Europa niemals eine Einheitskultur war, sondern auch im Mittelalter als Gefüge mehrerer Einheiten - religiös-kultureller, sprachlicher, politisch-rechtlicher od er wirtschaftlicher - existierte. Diese Einheiten erneuerten sich in beständigem Wandel und immer im Bezug aufeinander. Das Ziel des Schwerpunktprogramms liegt in der genaueren Erkenntnis eines pluralistisch aufgefassten europäischen Mittelalters durch beziehungsgeschichtliche und komparative Studien.

Zur Analyse dieser komplexen Wechselwirkungen ist das Schwerpunktprogramm interdisziplinär angelegt und ermöglicht die Zusammenarbeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus derzeit 12 Einzeldisziplinen: Archäologie, Architekturgeschichte, Byzantinistik, Germanistik, Islamwissenschaften, Judaistik, Kunstgeschichte, Mittelalterliche Geschichte, Osteuropäische Geschichte, Philosophie, Theologie und Turkologie. Mit seinem vergleichenden Ansatz möchte das SPP traditionelle Konzentrationen auf nationale Bezugsfelder aufbrechen und Ausgleichsprozesse sowie Differenzen im europäischen Kontext betrachten. In drei interdisziplinären Arbeitsforen, in denen die einzelnen Forschungsprojekte methodisch eng miteinander vernetzt werden, sollen verschiedene Aspekte des Themas erarbeitet werden: Wahrnehmungsweisen und Formen gedanklicher Auseinandersetzung mit anderen Kulturen, Realbegegnungen von Menschen und Gruppen verschiedener Kulturkreise und die Frage nach den Ursachen für Ausgleich und Entzweiungen.

 

SPP-Sommerkonferenz in Heidelberg Ende September 2009